Bedingt abwehrbereit

TAGESSCHAU24, 01.01.2017, 01:15

Die Geschichte hinter der Spiegel Affäre. Die Spiegel Affäre im Oktober 1962 zählt zu den Meilensteinen in der demokratischen Entwicklung der Bundesrepublik Deutschland. Sie ereignete sich auf dem Hoehepunkt des Kalten Krieges als die Welt durch die Errichtung der Berliner Mauer und die Kubakrise an den Rand eines Atomkriegs geriet. Die Angst vor einem drohenden Dritten Weltkrieg war der Hintergrund dieser Affäre die die Bundesrepublik erschütterte in der die Bundesanwaltschaft wegen des angeblichen Verrats von Staatsgeheimnissen die Bueros des Nachrichtenmagazins Der Spiegel besetzte und dessen Herausgeber Rudolf Augstein sowie mehrere Redakteure verhaften liess. Inhaltlich drehte sich die Affäre nicht nur um die Fehde zwischen dem damaligen Bundesverteidigungsminister Franz Josef Strauss und dem streitbaren Publizisten Augstein. Vielmehr ging es um die Frage: Wie kann der Westen sich verteidigen ohne den atomaren Weltuntergang zu riskieren Innerhalb der westlichen Buendnisse war es zum Streit um die atomare Aufruestung der nur wenige Jahre zuvor gegruendeten Bundeswehr gekommen. Nach der Wahl Kennedys zum US Praesidenten wurde zudem zum ersten Mal über Entspannungspolitik nachgedacht. Dies galt vielen darunter auch Strauss als Verrat am westlichen Buendnis. Hinzu kam dass Ende der 1960er Jahre auf bundesdeutschem Boden über 7.000 Atomwaffen stationiert waren mehr als in jedem anderen Land der Welt. Damit sollte die NATO im Fall eines Angriffs die Rote Armee zurueckschlagen. Das NATO Manoever Fallex 62 über das der Spiegel in der Ausgabe 41 1962 vom 8. Oktober berichtete war das erste Manoever das einen Grossangriff des Warschauer Pakts auf Westeuropa simulierte. Das Ergebnis des militaerischen Planspiels: Nach wenigen Tagen waeren erhebliche Teile Englands und der Bundesrepublik voellig zerstoert gewesen. Auch ein sofortiger Gegenschlag der NATO haette in diesem Szenario die sowjetische Aggression nicht stoppen koennen. Sieben Jahre nach der deutschen Wiederbewaffnung erhielt die Bundeswehr die niedrigste Note: zur Abwehr bedingt geeignet . Daher der damalige Spiegel Titel: Bedingt abwehrbereit der die Durchsuchung der Redaktionsraeume nach sich zog. Augstein kam in der Folge für 103 Tage ins Gefaengnis. Als jedoch später klar wurde dass der Verteidigungsminister nicht nur überreagiert sondern auch den Bundestag belogen hatte war er nicht mehr zu halten: Strauss musste gehen



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