Vom Mörder zum Helfer

ZDF INFO, 11.03.2017, 10:00

Ein Leben mit Umwegen. Vorsaetzlich schiesst Henry Oliver Jakobs auf zwei Menschen wird zum Mörder. Heute nutzt er seine kriminellen Erfahrungen und arbeitet in der Praevention mit Jugendlichen. Jakobs waechst auf der Reeperbahn auf. Mit 13 Jahren beginnt er zu hehlen und immer haeufiger loest er Konflikte mit Faeusten und Waffen. 1995 wird er erwischt sitzt wegen Mordes und versuchten Mordes 19 Jahre im Gefaengnis. Dort beginnt seine Wandlung. Henry Oliver Jakobs (heute 46) ist das Kind einer großen Hamburger Kiez Familie. Mit den Prostituierten und Zuhaeltern hat er nichts zu tun aber die Grenze zwischen legal und illegal verschwimmt für ihn frueh. Wichtigste Bezugsperson ist sein Opa Harry. Hinter dem Tresen seines Hafen Basars haelt sich der Kleine gerne auf. Hier erlebt er wie die Familie Probleme regelt: Das ging in Richtung Selbstjustiz. Die Polizei war für uns eher das Feindbild. Bereits mit acht Jahren faengt er an zu klauen mit 13 Jahren laesst er sich zu Gewalttaten provozieren. Warum soll ich Abitur machen wenn ich viel Geld durch Hehlerei und Betrug kassieren kann denkt sich Jakobs. In den 90er Jahren ist Henry Oliver Jakobs eine Hamburger Kiezgroesse verdient sein Geld mit illegalen Briefmarken Geschaeften. Im August 1995 schiesst er im Stadtteil Sankt Pauli auf zwei Kollegen aus Luebeck. Ich hab sie nach Hamburg gelockt und dann auf sie geschossen um sie zu berauben. Es ging um Briefmarken im Wert von 100 000 Euro. Wegen Mordes versuchten Mordes und schweren Raubs verbringt Jakobs 19 Jahre im Gefaengnis Fuhlsbuettel im Volksmund auch Santa Fu genannt damals eines der haertesten Gefaengnisse Deutschlands. Acht Quadratmeter Platzangst und harte Betten. Um ihn herum gewaltbereite Muskelprotze. Er kennt alle Details des Knastlebens: Urinkontrollen mitten in der Nacht Drogen Hofgaenge Essensausgaben fehlende Privatsphaere und das staendige Knallen der Zellentueren. Im Gefaengnis beginnt er zu reflektieren seine kriminellen Handlungen zu hinterfragen macht Therapien bildet sich weiter und schliesst eine Lehre zum Maler und Lackierer ab. Noch im Gefaengnis engagiert er sich im Verein Gefangene helfen Jugendlichen . Der bringt junge Leute die auf der Kippe stehen mit Haeftlingen zusammen. In Santa Fu sollen sie sehen wo sie landen wenn sie auf die schiefe Bahn geraten. Fuer Jakobs sind diese Begegnungen Schluesselmomente. Mir wurde klar bei den Jugendlichen kann man noch was veraendern. Da will ich mithelfen. Seit 2014 ist Jakobs auf Bewaehrung. Er arbeitet als Anti Gewalt Trainer an Schulen und besucht mit gefaehrdeten oder interessierten Jugendlichen seine alte Wirkungsstaette das Gefaengnis Fuhlsbuettel. Er steht jetzt auf der anderen Seite als freier Praeventions Helfer. Er beobachtet wie die Jugendlichen auf die Begegnung mit den Haeftlingen reagieren wie sie sich verhalten wenn sie für zehn Minuten alleine in einer Zelle eingeschlossen werden. Manche fangen an zu weinen. Kann der Knastbesuch tatsaechlich gefaehrdete Jugendliche abschrecken Taten zu begehen Jakobs trifft zwei Jungs die mit ihm als Haeftling vor zehn Jahren bei einer aehnlichen Massnahme gesprochen haben. Sie erzählen ihm wie sie diese Erfahrung bis heute gepraegt hat. An eine Begegnung traut sich Jakobs bis jetzt nicht heran: sich mit dem Mann zu treffen der den Mordanschlag damals überlebt hat. Was wuerde das aendern Ich wuerde nur alte Wunden aufreissen. Das was ich gemacht habe kann ich nicht wiedergutmachen. Aber ich kann zumindest versuchen dass andere diesen Weg nicht gehen sagt Jakobs. 37° Vom Mörder zum Helfer zeigt wie es ein Verbrecher schafft aus der Gewaltspirale auszubrechen. Wir erleben den Prozess seiner inneren Umkehr: vom Mörder zum verantwortungsvollen Menschen und Helfer. Es ist auch ein Film darüber wie Resozialisierung und Gewaltpraevention in unserer Gesellschaft funktionieren koennte



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