Akte D

TAGESSCHAU24, 15.03.2017, 19:15

Die Rentenlüge. Uwe Steinbach aus Hamburg will nicht mitansehen wie Menschen in einer der reichsten Staedte Europas Not leiden muessen. Deshalb engagiert sich der 70 Jaehrige bei der Kleiderkammer der Caritas. Hier koennen notleidende Menschen Jacken Muetzen und Schuhe fast umsonst bekommen. Uwe Steinbach hilft bei der Ausgabe und faehrt die Spenden durch die Stadt. Dabei ist Uwe Steinbach selbst ein Sozialfall. Er bekommt um die 600 Euro Rente. Der Staat stockt seine geringen Bezüge auf damit er wenigstens nicht unter die Armutsgrenze rutschen muss. Ein Fall von Tausenden. Drei Prozent der Alten leben in Deutschland in Armut. Ihre Zahl wird sich vermutlich verdoppeln in den naechsten Jahrzehnten. Und diejenigen die etwas mehr bekommen muessen mit Kuerzungen rechnen. Akte D Die Rentenlüge untersucht wieso es den Politikern bis heute nicht gelungen ist eine verlaessliche und sichere Rentenpolitik zu betreiben. 60 Jahre nach der großen Rentenreform von 1957 stellt sich die Frage ob die Fehler in der Vergangenheit liegen oder ob es sich um ein neues Phaenomen handelt. Nach und nach enthuellt der Film dass in der Tat viele Probleme haetten vermieden werden koennen. Von Anfang an hatte der Koelner Wilfrid Schreiber moegliche Schwierigkeiten vorhergesehen und Loesungen vorgeschlagen. Doch anstatt auf den Vater der großen Rentenreform zu hoeren wurde immer wieder kurzfristig gedacht. Wahlversprechen sorgten allzu oft für falsche Entscheidungen die im Laufe der Jahrzehnte die Rente immer weiter gefaehrdeten. Wilfrid Schreiber warnte bereits 1957 vor der demografischen Entwicklung in Deutschland nach der es immer mehr Alte geben wuerde und arbeitete Gegenmassnahmen aus. Konrad Adenauer bügelte seine Berechnungen ab mit den Worten: Kinder kriegen die Menschen immer Es war die erste Fehleinschaetzung das erste Glied einer langen Kette von falschen Entscheidungen. Akte D Die Rentenlüge entdeckte die handschriftlichen Entwuerfe des Schreiber Plans im Rheinisch Westfaelischen Wirtschaftsinstitut in Koeln. Damit laesst sich zweifelsfrei belegen: Schreiber entwarf in den 50ern zahlreiche wirksame Konzepte um die Rente über viele Jahrzehnte auf einen sicheren Boden zu bringen. Der ehemalige Arbeitsminister Walter Riester SPD dem die Aufzeichnungen zum ersten Mal vorlagen gibt ehrlich zu: Er (Schreiber) haette wahrscheinlich Recht gehabt wenn wir nicht politische Entscheidungstraeger haetten die im Zwei Drei oder hoechstens Vier Jahres Zyklus solche Tatsachen durchsetzen sondern auch unbequeme notwendige zwingende Veraenderungen langfristig durchsetzen wuerden. Norbert Bluem CDU Arbeitsminister von 1982 bis 1998 haelt es für fatal dass Politiker Gesetze gegen die Grundideen Wilfrid Schreibers durchgesetzt haben. Dabei hat er selbst 1982 die Rentenkassen belastet um auf dem Arbeitsmarkt Stellen für Junge zu schaffen. Die Dokumentation geht der Frage konsequent nach und liefert auch für zukuenftige Rentendiskussionen interessante Hintergruende. Dabei ist es immer wieder erstaunlich wie viele Antworten Wilfrid Schreiber schon 1957 für Probleme von heute liefern konnte. Wirtschaftswissenschaftler Professor Althammer sagt dazu im Film: Man kann sicherlich sagen dass vieles von dem was Wilfrid Schreiber in seinem sogenannten Schreiber Plan niedergeschrieben hat sozusagen eine Blaupause für das sein koennte wonach man auch heute noch eine Rentenreform ausrichten kann



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