Große Voelker: Die Wikinger

PHOENIX, 25.04.2017, 21:00

Als wilde Horde aus dem Norden machen die Wikinger 739 nach Christus zum ersten Mal von sich reden. Sie versetzen Europa durch Pluenderungen in Angst und Schrecken. Mancher Regent bezahlt den Seekriegern sogar Schutzgeld nur damit sie nicht wiederkommen. Ihr Ruf als mordluesterne Barbaren haelt sich über viele Jahrhunderte. Dabei sind ihre Leistungen als mutige Entdecker und visionaere Haendler in Vergessenheit geraten. Doch es sind die Wikinger die durch ihr Wirken den Verlauf der europaeischen Geschichte im Mittelalter massgeblich beeinflusst haben. Sie waren Begruender von Staedten und Königreichen. Die urspruengliche Heimat der Wikinger ist Skandinavien genauer gesagt Daenemark Norwegen und Schweden. In erster Linie leben die Nordmaenner von der Landwirtschaft und der Fischerei. Ihre Hoefe liegen weit voneinander entfernt Staedte gibt es anfangs nicht. Auf Raubzug gehen die Wikinger zunaechst nur in den Sommermonaten den Rest des Jahres verbringen sie mit ihren Sippen am heimischen Herd. Die Gruende für die saisonalen Kaperfahrten sind nicht ganz eindeutig. Aber vieles deutet darauf hin dass sich die Versorgungslage wegen der stetig steigenden Bevoelkerungszahlen zunehmend verschlechtert hat. Deshalb sind die Raubzüge ein willkommener Nebenerwerb. Sie haben aber auch dazu gedient neuen Siedlungsraum aufzutun. Ob aus Not oder purer Beutelust als unerschrockene Entdecker stellen die Wikinger ihre Faehigkeiten unter Beweis. Und überall hinterlassen sie ihren historischen Fussabdruck. Dazu gehoeren unter anderen Gebiete im heutigen Irland England in Frankreich oder auch in Deutschland. Doch schon frueh steuern die Nordmaenner immer weiter nordwaerts. So erreichen sie Island. Obwohl die eisige Insel nur in den Ebenen und Taelern fruchtbaren Boden bietet setzt schon bald eine große Einwanderungswelle ein. Auch Erik der Rote befindet sich unter den Emigranten. Als er aus Jaehzorn zwei Morde begeht wird er von der Insel verbannt. Die Zeit nutzt er um im Atlantischen Ozean nach einer neuen Heimat zu suchen. Er findet sie auf Groenland Gruenland wie Erik die Insel nennt. Sie bleibt bis Anfang des 15. Jahrhunderts fest in Wikingerhand. Die historisch spektakulaerste Entdeckung aber macht Eriks Sohn Leif. Bereits 500 Jahre vor Christoph Kolumbus betritt er als erster Europaeer im Norden Neufundlands amerikanischen Boden. Viel ist über den Namen Vinland Weinland geraetselt worden den die Wikinger ihrer Entdeckung gaben. Weinreben haben die Maenner dort nachweislich nicht gefunden sondern Wiesen und Weiden. Trotz guenstiger Bedingungen koennen sich die Wikinger dort nicht halten die Eingeborenen schlagen sie irgendwann in die Flucht. Ohne ihre Schiffe waere die Geschichte der Wikinger ganz anders verlaufen. Sie sind legendaer und haben dem Volk sogar ihren Namen gegeben. Vikingr bedeutet so viel wie Krieger die zur See fahren . Beruehmt beruechtigt sind die Drachenschiffe hochwandige Segler aus Eichenholz mit grellbunten Rahsegeln spitz zulaufendem Bug und Heck sowie einem flachen Kiel. Sie kommen immer dann zum Einsatz wenn die Berserker in kriegerischer Absicht über die Meere fahren. Fuer den Handel entwerfen die Wikinger die Knorr . Sie ist zwar weniger schnell und wendig kann dafür aber große Lasten transportieren. Der Schiffstyp wird noch jahrhundertelang nachgebaut auch als die Wikinger als eigenstaendiges Volk schon nicht mehr existieren. Als Kaufleute machen sich die Wilden aus dem Norden rasch einen Namen. Vom Norden aus erschliessen sie voellig neue Routen die bis ins heutige Russland und in den Vorderen Orient fuehren. Mit Fellen Bernstein Waffen und vor allem Sklaven werden die Wikinger reich. Aus ihren Siedlungen werden bluehende Staedte Geschaeftspartner aus aller Herren Laender kommen ins Land. Einer der bekanntesten Handelsplaetze ist Haithabu. Die Metropole gilt als erste mittelalterliche Stadt in Nordeuropa. Die Gruende für das Ende der Wikingerzeit sind vielseitig. Einen erheblichen Beitrag leistet die Christianisierung in Skandinavien. Viele Heiden lassen sich bekehren. Denn anders als in ihrem Volksglauben verspricht die neue Religion jedem Menschen das Paradies. Die Missionierung fuehrt zu einem Wandel der gesellschaftlichen wie politischen Struktur. Es gibt Könige und Staaten die Krieger werden sesshaft und gehen nicht mehr auf Beutezug. Auch haben sich die anderen Voelker die Kenntnisse der Wikinger zunutze und ihnen das Handelsmonopol abspenstig gemacht. Die Wikinger passen sich den neuen Verhaeltnissen in Europa an gehen in anderen Voelkern auf. So auch in der Normandie die der daenische Wikingeranfuehrer Rollo vom franzoesischen König als Lehen erhaelt. Sein direkter Nachfahre Wilhelm der Eroberer ist es der 1066 in der Schlacht bei Hastings die Englaender besiegt. So wird ein normannischer Wikinger König von England. Seine sozialen politischen und rechtlichen Veraenderungen bilden bis heute den Grundstein der britischen Monarchie



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