Stammheim Die RAF vor Gericht

TAGESSCHAU24, 07.05.2017, 09:15

Stammheim Die RAF vor Gericht. Der Stammheimer Prozess gegen die Fuehrung der RAF sollte den Terrorismus juristisch beenden doch er spaltete die Gesellschaft und trug dazu bei dass die Gewalt im Deutschen Herbst eskalierte. 1974 scheint der Terrorismus in der Bundesrepublik schon fast besiegt: Der harte Kern der Rote Armee Fraktion ist verhaftet die Studentenproteste flauen ab. Die Verurteilung der RAF Mitglieder Andreas Baader Ulrike Meinhof Gudrun Ensslin und Jan Carl Raspe in einem ordentlichen Prozess werde dem Spuk ein Ende bereiten glauben viele damals. Doch dann werden die Jahre 1974 bis 77 zu den blutigsten in der Geschichte des linken Terrors in der Bundesrepublik. Attentate und Geiselnahmen halten die OEffentlichkeit in Atem der Staat wehrt sich mit allen ihm zur Verfuegung stehenden Mitteln. Unschuldige geraten zwischen die Fronten. Am Ende steht mit der Entfuehrung Hans Martin Schleyers und der Lufthansamaschine Landshut der Deutsche Herbst die groesste innenpolitische Krise der Bundesrepublik. Der Stammheimer Prozess gegen die Fuehrung der RAF ist ein Schluesselereignis für die Geschichte und für das Verstaendnis des Deutschen Herbstes der sich 2017 zum 40. Male jaehrt. Der neue hochgesicherte Gerichtssaal auf dem Gelaende des Stammheimer Untersuchungsgefaengnisses wird zum Schauplatz erbitterter Kaempfe zwischen Angeklagten und Staatsanwaelten Richtern und Verteidigern. Hungerstreiks Abhoerskandale Vorwuerfe wegen Isolationsfolter und Selbstmorde in der Haft erschüttern die Republik. Statt den Terrorismus juristisch aufzuarbeiten spaltet der Prozess die Gesellschaft und traegt zur Eskalation der Ereignisse bei. Als am 28. April 1977 das Urteil verkuendet wird ist Ulrike Meinhof bereits tot die drei anderen werden zu lebenslangen Haftstrafen verurteilt. Doch warum konnten die Ereignisse und der Prozess derartig eskalieren Wer traegt Schuld daran Haette die Eskalation vermieden werden koennen Das sind die Fragen denen der Film nachgeht. Erstmals hat für diesen Film der Vorsitzende Richter Theodor Prinzing (91) ein ausfuehrliches Interview gegeben. In ihm enthuellt er nicht nur dass eigens für den Prozess erlassene Sondergesetze auf Hinweise des Gerichts zurueckgingen. Er spricht auch zum ersten Mal über ein familiaeres Drama das sich hinter den Kulissen abspielte: Seine Tochter Gabriele (die in diesem Film zum ersten Mal ein Interview gibt) war auf der Seite der RAF Sympathisanten und nahm an RAF nahen Veranstaltungen teil auf denen ihr Vater als Mörder beschimpft wurde. Zu Wort kommen ausserdem Beteiligte von damals: Richter im Stammheimer Prozess wie Kurt Breucker und Eberhard Foth Verteidiger wie Christian Stroebele und Rupert von Plottnitz sowie Journalisten und Historiker. Die Eskalation jener Zeit beschreiben aus unterschiedlicher Perspektive der Theatermacher Claus Peymann und der Filmemacher Andres Veiel damals Mitglied der Jungen Union in Stuttgart. Mit ihrer Hilfe rollen wir den Prozess von damals noch einmal auf konfrontieren die Zeitzeugen mit ihren Entscheidungen und versuchen zu verstehen wie es zu dieser Eskalation kommen konnte



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