Atom Streit in Wackersdorf

TAGESSCHAU24, 22.09.2017, 21:17

Wutbuerger gesellschaftliche Spaltung Misstrauen gegen den Staat und die Medien was klingt wie eine Zustandsbeschreibung der Gegenwart beschreibt erstaunlich treffend auch ein praegendes Ereignis der deutschen Geschichte: Die Eskalation des Konflikts rund um die WAA in Wackersdorf in den späten 1980er Jahren. Die Dokumentation Atomstreit in Wackersdorf Die Geschichte einer Eskalation rekonstruiert 30 Jahre nach dem Blutigen Herbst von 1987 die dramatische und teilweise aeusserst gewalttaetige Zuspitzung rund um die WAA und illustriert dabei auch die politisch gesellschaftliche Gemengelage aus der es zu einer solchen Radikalisierung kommen konnte. Es werden Verbindungen zu den Widerstandsbewegungen in Gorleben und an der Frankfurter Startbahn West aufgezeigt und zur Reaktorkatastrophe von Tschernobyl die der Anti Atom Bewegung viel Zulauf verschaffte. Dabei kommen zahlreiche Akteure der Jahre 1985 1989 ausfuehrlich zu Wort: Irmgard Gietl eine Hausfrau aus der Umgebung der WAA die bereits Grossmutter ist als sie sich politisiert Hans Schuierer der als Landrat von Schwandorf zunaechst für die Anlage ist und sie später umso entschiedener bekaempft und schliesslich Peter Gauweiler der von Franz Josef Strauss in die Oberpfalz geschickt wird um die Proteste dort unter Kontrolle zu bekommen. Selten war die Gesellschaft so gespalten wie in diesem Moment. Und nirgends zeigt sich diese Spaltung klarer als in den Gemeinden rund um Wackersdorf. Traditionell ist die Gegend eine absolute CSU Hochburg: Konservativ und alles andere als aufmuepfig. Auch als die WAA kommen soll stehen die meisten Buerger dem Projekt positiv gegenüber. Doch die massiven Polizeieinsaetze verunsichern die Buerger und vor allem die Bauern der Umgebung. Als einige von ihnen Demonstranten bei sich übernachten lassen werden auf ihren Hoefen Razzien durchgefuehrt. Im Laufe der Zeit schliessen sich immer mehr Anwohner der Protestbewegung an. Kulminationspunkt der Dokumentation ist der 10. Oktober 1987 als die Proteste rund um die WAA ihren blutigen Hoehepunkt erreichen: Eine von der bayerischen Staatsregierung angeforderte Berliner Spezialeinheit knueppelt am Bauzaun Demonstranten nieder und unterscheidet dabei nicht zwischen gewaltbereiten Chaoten und ganz normalen Buergern. Die OEffentlichkeit ist entsetzt die Staatsregierung wiegelt ab Beobachter sprechen von Buergerkrieg . Keine zwei Jahre später wird das Projekt Wackersdorf aufgegeben. Zahlreiche heftige Proteste hat es überlebt nicht jedoch den Tod seines groessten Förderers Franz Josef Strauss. Doch die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Folgen des nie vollendeten Grossprojekts praegen die Region bis heute



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