Die Illusion der Chancengleichheit

TAGESSCHAU24, 31.10.2017, 10:15

Das Studium ist die schoenste Zeit des Lebens so schwaermen gestandene Akademiker gerne wenn sie an ihre eigenen Hochschuljahre zurueckdenken. Damals hatte man Zeit sich zu entfalten etwas zu erleben die Persoenlichkeit reifen zu lassen. Wer allerdings heutzutage studiert braucht vor allem gute Nerven erheblichen Ehrgeiz stabile Ellbogen und am besten vermoegende Eltern. Anders ist ein erfolgreicher Abschluss an einer Uni kaum zu bekommen. Fast alle Studienfächer werden von den Unis mit einem Numerus Clausus verbarrikadiert. Wer kein Einser Abi hat muss oft jahrelang warten bis er einen Studienplatz bekommt. Bestes Beispiel: Medizin. Hier liegt der NC mittlerweile bei 10 12. Wer schlechter ist kommt auf die Warteliste und kann die Jahre oft nur über eine Ausbildung überbrücken. Um dieses Problem hat sich laengst eine Anwaltsindustrie entwickelt: Fuer viel Geld koennen schlechte Abiturienten sich in ihren Wahlstudiengang einklagen. Dadurch gelangen vor allem Kinder begueterter Eltern in den Genuss des begehrten Studienplatzes. Die anderen haben das Nachsehen. Der gute alte Diplom Ingenieur im In und Ausland hochangesehen wurde abgeschafft und durch den nebuloesen Master of irgendwas ersetzt. Eine Folge der Harmonisierung auf EU Ebene. Doch die Bachelor und Masterstudiengaenge werden für viele Studierende zum Albtraum. Statt Orientierung und Entwicklung an der Uni muessen sie mit aufgesetzten Scheuklappen und in Rekordzeit Creditpoints sammeln in einem voellig verschulten Studiensystem immer stur nach vorne und ohne Zeit und Erlaubnis zum kritischen Hinterfragen. Gleichzeitig bleibt meistens kaum noch Zeit nebenher zu jobben ohne den Erfolg des Studiums zu gefaehrden. Bis tief in den Abend muss gelernt werden und am Wochenende auch. Die Statistik zeigt eindeutig: Wer keine begueterten Eltern im Hintergrund hat der hat erheblich schlechtere Chancen die zweite Huerde zum Master Abschluss zu überwinden oder wird gleich in eine bezahlte Ausbildung abgedraengt. Die SR Autorinnen Sigrid Born und Nicole Wuerth haben sich den aktuellen Alltag der Studierenden genau angeschaut und ziehen eine kritische Bilanz der Reformen seit dem sogenannten Bologna Prozess . Nach vielen Gespraechen und Interviews kommen sie zu dem Schluss: Viele der angestrebten Ziele wurden nicht erreicht stattdessen ist der Geldbeutel der Eltern inzwischen für Studium und Karriere wieder genauso wichtig wie Fleiss und Intelligenz der Studierenden. Die haeufig postulierte Chancengleichheit ist staerker denn je eine reine Illusion



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