Gysi

MDR, 14.01.2018, 20:15

Ein Auftritt im Herbst 1989: Gregor Gysi strahlend mit einem riesigen Besen in der Hand. Angetreten um die verkommene DDR Staatspartei SED aufzuraeumen. Das beruehmte Bild zeigt ihn als Hoffnungstraeger frisch und unbelastet. Einer der reden kann schlagfertig und witzig ist fürs Rampenlicht geboren. Ganz anders als die Partei Apparatschiks. Von den einen wurde er verehrt und geliebt von den anderen gehasst. So ist es bis heute. Gysi war nicht der junge Nobody ohne Vergangenheit. Parteimitglied seit mehr als zwanzig Jahren Kontakte in die hoechsten Staatszirkel. Als Vorsitzender des Kollegiums der DDR Rechtsanwaelte gehörte er zur Funktionaerselite des Staates. Manche sahen in ihm einen Kader auf dem Weg nach ganz oben. Auch wegen seiner Herkunft. Die Gysis sind eine der faszinierendsten Familien des Landes. Beide Eltern stammten aus grossbuergerlichen ja aristokratischen Haeusern und machten trotzdem Karriere in der kommunistischen Elite. Der Vater Klaus Gysi brachte es zum Kultusminister der DDR loyal und kritisch zugleich. Ohne seine Herkunft aus diesem aussergewoehnlichen Elternhaus laesst sich Gregor Gysi nicht begreifen. Zum Beispiel der Rechtsanwalt Gysi der in politischen Prozessen Dissidenten verteidigte und doch loyal zum DDR Staat war so wie es ihm der Vater vorgelebt hat. Oder der SED Vorsitzende Gysi der seine Partei verurteilte und sie dennoch unbedingt retten wollte es war schliesslich die Partei seiner Eltern. Oder der Linken Politiker Gysi der auf Parteiversammlungen die Verstaatlichung der Banken forderte und am naechsten Tag im Aachener Karneval vor der westlichen Bourgeoisie den charmanten Unterhalter gab. Der im Osten ungebremst gegen die BRD polemisierte und sich nirgendwo wohler zu fuehlen scheint als in den westlichen Talkshows. Gregor Gysi ist ein Grenzgaenger der für viele seltsam ungreifbar wirkt. Einer der seinen Lieblingsort einmal als zwischen den Stuehlen bezeichnet hat. Ein Mann der Widersprueche. Der groesste Widerspruch ist sein Verhaeltnis zur DDR Staatssicherheit. Gegen den Vorwurf er habe als Inoffizieller Mitarbeiter seine Mandanten verraten hat er oft und erfolgreich prozessiert. Dennoch wirft die Aktenlage im Stasi Archiv Fragen auf. In ihrem 90 minuetigen Portraet zeichnen Nicola Graef und Florian Huber Gysis Aufstieg in der DDR nach seine Rolle als Verteidiger von Dissidenten und gleichzeitig Chef aller DDR Anwaelte. Sie zeigen seinen kometenhaften Aufstieg zum Parteipatron der Linken und Volkstribun der Ostdeutschen aber auch den Hass der ihm auf der Strasse wie im Bundestag entgegen schlug. Und sie lenken den Blick immer wieder auf das für ihn praegende Milieu seines Elternhauses



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